POLITIK UND RECHTSCHAFFENHEIT
Am 22. September 2008 ist es soweit:
Die Nationalratswahlen finden zum ersten Mal im Lichte des novellierten Bundeswahlrechtes statt. Aufgrund der österreichischen Politikverdrossenheit sicherlich kein leichtes Unterfangen. Und Grund genug, Politik und Rechtschaffenheit mal unter die Lupe zu nehmen.
Korruption, Machtspiele, Diffamierung: der politische Alltag bietet wenig Erbauliches und Beschauliches. In einer Zeit, wo wichtige Themen die Menschen beschäftigen. In einer Zeit, wo wirtschaftliche Sorgen, Klimawandel, Naturkatastrophen und Energiekrisen für Schlagzeilen sorgen. In einer Zeit, wo es angebracht wäre, den Leuten Hoffnung und Mut zu machen und den nötigen Weitblick für konstruktive Lösungen zu haben. Hier stellt sich auch wieder mal für Politiker und Verantwortliche in der Wirtschaft die von Kant gestellte Frage: “Was soll ich tun?”
Immanuel Kant hat in seinen ethischen Abhandlungen, in seiner Moralphilosophie, nach allgemeingültigen Antworten gesucht; das Auffinden ethischer Normen als Grundlage allgemeingültiger Verhaltensregeln.
Aber vielleicht sollte man einmal etwas mehr in der Geschichte stöbern, und sich ein paar Tipps aus dem Erfahrungsschatz der Vergangenheit zu holen. Es hat immer schon ähnliche Situationen gegen. Zeiten, die krisengeschüttelt waren. Situationen, die ein Umdenken erforderten.
Man sagt, es habe in der Geschichte 2 sogenannte “Philosophenkaiser” gegeben, unter deren Führung die Menschen in Zufriedenheit, Glück und Harmonie lebten. Welche besondere Eigenschaft unterscheidet diese Kaiser von den meisten politischen Führern der Neuzeit?
Sie haben zugunsten des Allgemeinwohls oft große Entbehrungen auf sich genommenden, haben ”innere Zusammenhänge” erkannt und haben den Aspekt der Spiritualität ernst genommen …
SHRI RAMA
Der indische Herrscher, der für seine direkte aber auch tugendhafte Lebensweise bekannt war, lebte etwa 7.300 v.Chr. Er führte ein vorbildliches Leben, obwohl es viele Hindernisse zu bestehen gab. In seiner Regierungszeit hatte er mit vielen Feinden zu kämpfen, ließ aber auf der anderen Seite nichts unversucht, Wohlstand und Zufriedenheit dem Volk zu ermöglichen. Skeptiker halten die Geschichten über ihn für reine Mythen - allerdings konnte die NASA eine Luftbildaufnahme machen, wo man deutlich eine Seestraße erkennen kann, die eine Verbindung zwischen dem indischen Festland und der Insel Shri Lanka bildet. Die sogen. Rama Brücke, welche Rama zu Rettung seiner entführten Frau Sita errichten ließ, ist heute eine 31 km lange Verbindung aus Sandbänken und Korallenriffen im Golf von Mannar - und einige tausend Jahre alt!

Rama & Sita - Seidenmalerei aus Rajasthan, Indien
Rama war der Inbegriff für Rechtschaffenheit, im Sanskrit Dharma genannt.
Dharma ist auch definiert als ein göttliches Gesetz der rechtmäßigen Lebensweise, das mit den Gesetzen des Universums im Einklang steht [vgl. Basham, A.L.: The Wonder that was India. S.262, Calcutta 1988].
Inneres Dharma: repräsentiert das Bewusstsein der Rechtschaffenheit, das die Menschen dazu veranlasst das Richtige zu tun. Unter “richtig” ist hier ein Handeln gemeint, das sich an innere (göttl.) Gesetze orientiert und somit die Weiterentwicklung der menschlichen Evolution ermöglicht.
Äußeres Dharma repräsentiert dieses Prinzip der Rechtschaffenheit auf einer kollektiven Ebene, alle Kulturkreise betreffend. Also nicht nur die indischen Werte und Verhaltensregeln, sondern auch eine Orientierung etwa an die alten griechischen Lebensgebote, die Lehren von Buddha, Moses, Jesus, oder Mohammed.¹
Wenden wir uns nun aber einer Persönlichkeit zu, die in unseren Breiten besser bekannt ist, und die auch in Österreich gewirkt hat:
MARC AUREL
Im 2. Jht. n. Chr. bestimmte dieser Römische Kaiser die Geschicke Europas.
Nach Hadrian und Antonius Pius war Marc Aurel der 3. Kaiser in der als Goldenes Zeitalter bezeichneten Epoche. Die lange Friedenszeit - geprägt von innerer und äußerer Stabilität, konnte unter seiner Regentschaft nur mehr durch seine militärisch bedingten Aufenthalte im Donauraum (Markomannenkriege) gewährleistet werden. Genau genommen hatte er gemeinsam mit Lucius Verus die Herrschaft inne, beide sogen. Adoptivkaiser waren gleichberechtigt. Dennoch war Marc Aurel derjenige, der die Leitung im Reich innehatte. Im Prinzip kann man von einer Art Koalition sprechen: beide Kaiser waren von unterschiedlicher Gesinnung, verrichteten ihre Aufgaben aber stets zuverlässig und zum Wohle aller. Während Lucius Verus den sogen. Freuden des Lebens nicht abgeneigt war, wurde Marc Aurel für seine zurückhaltende Art und stoische Gelassenheit geschätzt.

Marc Aurel - Büste, Musei Capitol, Rom
Marc Aurel entschied sich bereits im Alter von 12 Jahren für eine stoische Gesinnung. Er bersorgte sich den Umhang der Philosophen und zog es vor auf einer Bretterunterlage auf dem Boden zu schlafen.
An die 17 Lehrer sollen an seiner Unterrichtung beteiligt gewesen sein.
Die Bezeichnung “Goldenes Zeitalter” traf aber wohl hautptsächlich auf die literarischen und geistes- sowie naturwissenschaftlichen Leistungen als auf eine wirtschaftliche Fülle zu . Die Situation zu Amtsantritt Aurels (- beachten wir dabei Parallelitäten zu Heute):
* Zunehmende Ausgaben für Heer und Verwaltung sowie Finanzmittel in getreideproduzierende Länder führten zu einer Münzverschlechterung und in weiterer Folge zu Inflation
* Der Lebensstandard der Mittelschicht ging infolge wirtschaftlicher Unsicherheit und Verarmung zurück, Kriege, Seuchen und Hungersnöte verschlimmerten die Situation. Die somit wachsenden Staatsausgaben konnten durch die Steuereinnahmen nicht gedeckt werden.²
* Aufgrund der Lage sank auch die Bevölkerungszahl. Viele Leute scheuten sich vor der Ehe und die Anzahl der Kinder nahm ab
* Auflösung des Bauernstandes, an dessen Stelle der Großgrundbesitz getreten war. Um der Entvölkerung entgegenzutreten siedelte Marc Aurel nun Unterworfene aus dem Donauraum an
Als junger Knabe empfand er die Aussicht zur Regierung als edlen aber auch schreckenden Gedanken zugleich - viel lieber hätte er sich ausschließlich der Stoa gewidmet. Aber sein Verantwortungsbewusstsein erlaubten ihm die Vernachlässigung der Pflichten als Kaiser nicht.
Seine Initiativen brachten Wohlstand für das Volk, obgleich er selbst zahlreiche Kämpfe auszutragen hatte. Selbst wenn es zu Unterwerfung von angrenzenden Völkern kam, so war dies nicht auf eine Unterdrückung ausgerichtet. Diese Völker hatten auch Rechte, in Bezug auf das Römische Reich gesehen. Es gab eine gewisse Eigenständigkeit - und dennoch konnte Rom aufgrund seiner Verwaltungsstrategie sicher sein, nicht angegriffen zu werden.
Die letzten Lebensjahre verbrachte Marc Aurel (121 - 180) im Gebiet von Carnuntum und Vindobona, wo er seine Selbstbetrachtungen verfasste. Dieses Werk ließ ihn endgültig als Philosophenkaiser in die Geschichte eingehen.
Inwiefern können diese Tatsachen nun für die kommenden Wahlen Bedeutung haben?
Mahatma Gandhi hat gemeint, dass wir die Veränderung verkörpern müssen, die wir in der Welt zu sehen wünschen.
Wenn das Bewusstsein eines Einzelnen auf Wohlwollen gerichtet ist, hat dies schon eine Auswirkung. Jede(r) Einzelne kann also etwas Positives durch seine/ihre bewusste Einstellung beitragen. Das sollten wir bedenken, wenn wir zur Wahl gehen - und uns vielleicht mit dem Gedanken spielen, als Frustwähler eine Partei zu wählen, die demokratische Werte in Frage stellt.
Selbst wenn wir uns mit keiner Partei wirklich identifizieren können, selbst wenn in keiner Partei derzeit ein optimales Gefüge erkennbar sein sollte - so sollten wir doch überlegen, welche Parteien am ehesten zum Wohlwollen aller eine Stimme erhalten sollte.
Optimismus ist also angesagt - und Zuversicht!
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¹ Dabei gilt zu beachten, dass die jeweiligen Verhaltensregeln oft auf einen besonderen Umstand, eine gewisse Situation angepasst waren. So kommt es auch vor, dass sich diese Regeln mitunter widersprechen können, da sie nach einer geraumen Zeit an einem anderen Ort nicht zeitgemäß waren (Beispiel: Bergpredigt von Jesus Christus, jeweils beginnend mit den Worten: “Ich aber sage euch …”)
² Marc Aurel führte also gleich zu Beginn seiner Regierungszeit beispiellos einen allgemeinen Steuererlass ein. Für die Finanzierung der Markomannenkriege ließ er im Zeitraum von 2 Monaten den kaiserlichen Hausrat versteigern.
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LINKS:
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Kaiser und Philosoph
Marc Aurel
Literatur:
Mauersberger, Arno (Hrsg.): Marc Aurel. Selbstbetrachtungen.
Bechtermünz Verlag, Augsburg 1997
>> zu NATIONALRATSWAHL ÖSTERREICH
Infos zum novellierten Wahlrecht
Infos zur Wahl (Innenministerium)
Tags: Östereich, Dharma, Politik, Rechtschaffenheit, Wahlen
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Juli 24, 2008 at 6:05 Uhr nachmittags
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Draupadi.