ALLE JAHRE WIEDER …

Während allmählich die letzten Diskussionen dieser Saison verstummen, ob denn nun das himmlische Christkind oder der bärtige Weihnachtsmann – der ja eigentlich einer modifizierten Form des St. Nikolaus entspricht – kultur-authentischer sei, klopft es an der Türe …

Ja, ich komm ja gleich, muss nur noch den Topf vom Herd nehmen, und, und, und. Hmmm – Weihnachtsbesuche sind ja schon alle vorüber. Wer das wohl sein mag? Beim Öffnen kann ich zwar niemanden erblicken – allerdings umgibt mich weihrauchgeschwängerte Luft…  Und als ich mich nun umsehe, da entdecke ich die allseits bekannten Zeichen an der Türe, mit aktuellem Datum: 20 -K + M + B -09

Alle Jahre wieder kommen die römisch katholischen Sternsinger und schmücken unsere Türen und Türstöcke zu Jahresbeginn mit: K + M + B oder C + M + B

Hl. 3 Könige, Kundl (Tirol), 18. Jht.

Hl. 3 Könige, Kundl (Tirol), 18. Jht.

Und während den Einen beim Lesen dieser Lettern eine simultane Entschlüsselung von “Kaspar (oder Caspar) + Melchior + Balthasar” im Kopfe auftaucht, rühmen sich Andere damit, dass sie wüssten, dass es ja eigentlich eine lateinische Formel wäre und “Christus Mansionem Benedicat” bedeute, was in Deutsch so viel heißt wie: “Christus segne dieses Haus”.

Ein schöner Brauch, mag man sich denken. Was hat es aber nun mit diesen Weisen aus dem Morgenland auf sich?
Ob es wirklich Könige waren, so wie sie heutzutage allerorts dargestellt werden, darüber lässt sich streiten, zumal sie in den Schriften immer als Sterndeuter, Magier bezeichnet wurden. Und wenn der Kirchenschriftsteller Tertullianus erwähnt, sie seien “fast wie Könige” aufgetreten, so spricht das “lediglich” für ein vornehmes Erscheinungsbild, ein edles Auftreten. Das ist auch der Grund, weshalb die protestantische Auslegung bei den von Matthäus zitierten “Weisen” bleibt.
Die Weisen huldigten dem Hl. Kinde, dem Sohn Gottes. Sie erkannten seine Besonderheit, Reinheit und Größe.

Betrachten wir unsere abenländlische - vor allem ostalpine - Geschichte etwas genauer, dann finden wir zahlreiche Hinweise dafür, dass die ursprüngliche Bedeutung von C + M + B  vermutlich eine ganz andere war.
Ja, es war immer schon ein Segensspruch, eine Schutzformel – aber diese Initialen führen uns direkt zu unseren keltischen und vielleicht sogar vorkeltischen Wurzeln.
Zu einer Kultur, die aufgrund ihrer matriarchalischen Kraft in unseren Breiten selbst durch zahlreiche Maßnahmen im Sinne einer Zwangs-Patriarchalisierung der Kirche nicht auszumerzen war – und ist.
Zu einer Zeit, wo die Menschen noch im Einklang mit Mutter(!) Erde und ihren Natur-Gesetzen lebten.
Zu einem Geheimnis, das uns in Österreich, Deutschland (v.a. bayrische Gebiete), Italien (v.a. Südtirol, Oberitalien) und anderen europäischen Ländern bei genauerer Betrachtung immer wieder begegnet:

Die Rede ist von den 3 BETHEN (Ambeth, Wilbeth und Borbeth), oder auch den 3 Madln, wie im Volksmund die Hl. 3 Jungfrauen bezeichnet werden.
Da sie aus unserer Kultur nicht wegzukriegen waren, wurde der Glaube an die Bethen von der Kirche einfach christianisiert. So wurden sie zu den Hl. Jungfrauen Catharina, Margaretha und Barbara ! Diese drei Heiligen waren die einzigen weiblichen Vertreter der von der katholischen Kirche auf den Plan gerufenen sogenannten “14 Nothelfer”.

Abb. der 14 Nothelfer

Abb. der 14 Nothelfer

Eigenschaften, die man heute den Hl. 3 Königen zuschreibt, waren ursprünglich Bethen-Eigenschaften:
> Die Farben Rot, Weiß und Schwarz. Während manche Bethen-Bildnisse mit diesen farblich differenzierten Gewändern zu finden sind, weisen andere Abbildungen unterschiedliche Teints auf: hell, dünkler (beinahe rötlich braun) und dunkel bis schwarz.¹
> Oft sind sie auch in unterschiedlichem Alter gezeigt: sehr jung, mittleres Alter und altes Antlitz, was bildhaft den 3 Lebensstadien entspricht.
(Jung: zukünftiges Leben noch vor sich, Aktivität; gegenwärtiges Sein – Mitte des Lebens; Alt: vergangenes Leben, Ruhezeit – Anm. d. Verf.)

W.Morscher

Die 3 Bethen, Obsaurs (Tirol). Foto: W.Morscher

Obgleich die Kirche zuerst versucht hat diese alteingesessenen Göttinnen zu bekämpfen, dann zu vereinnahmen und schließlich zu leugnen² , so lebt der Glaube und die Wahrnehmung dieser gestalterischen, weiblichen, mütterlichen Kräfte in unseren Breiten bis heute weiter, wenn auch in gewandelter Form. Das erklärt auch die nach wie vor zahlreichen Madonnen- und Marien-Verehrungen.

Vielleicht komme ich ja das nächste Mal den Sternsingern zuvor – und schreib mir ein archaisch anmutendes  W + A + B  an die Türe.
Oder einfach 3 Kreuzerln im Gebet(h) – so hat man´s ganz früher ja auch gemacht …

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¹ Diesbezüglich sind auch die “Schwarzen Madonnen” zu erwähnen, welche vielerorts immer noch falsch interpretiert werden. Ein Bezug zu Borbeth (Barbara) ist kulturhistorisch nachweisbar.

² Im 20. Jht. wurden sie aus dem offiziellen Heiligenkalender gestrichen, aufgrund ihrer legendenhaften, nicht wirklich fassbaren Geschichte. Dennoch steht heute etwa in jedem Bergstollen oder U-Bahnschacht eine “Hl. Barbara”…

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LINKS:
3 Heilige Frauen (Wikipedia)
Die Kelten im Ostalpenraum
Frauenwissen

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